Hohe Verkehrsleistung auch unter Klimawandelbedingungen gewährleisten

Umwelt Spezial-Klimaschutz, Folge 4

Das Handlungsfeld Verkehr und Verkehrsinfrastruktur umfasst inhaltlich die Bereiche Straßen-, Schienen- und Luftverkehr sowie den Schiffsverkehr. Strukturell sind die Aspekte Verkehrsgeschehen (einschließlich des Bereichs Verkehrssicherheit) und Verkehrsinfrastrukturen zu betrachten. Die Herausforderung für das Transitland Hessen liegt darin, die hohen derzeitigen Verkehrsleistungen auch unter den Klimawandelbedingungen zu gewährleisten.

Die Wettereinflüsse auf den Individual- und öffentlichen Verkehr sind vielfältig. Sie können zu Störungen des Betriebs und Schädigung der Verkehrsinfrastruktur führen. Darüber hinaus spielt der projizierte Klimawandel eine erhebliche Rolle für den Zusammenhang zwischen Verkehrsemissionen und der städtischen Luftqualität.

Handlungsbedarf Verkehrsbereich

  • Der Kühlungsbedarf in Bussen und Bahnen nimmt durch den Anstieg bei Hitzewellen und heißen Tagen zu. Damit steigt der Energiebedarf, was zu einem Anstieg der Kosten und der CO2-Emissionen führt.
  • Weiterhin nimmt der Einfluss von Starkregenereignissen und Hitzewellen zu. Dies kann zur Unterbrechung des Individual- und öffentlichen Verkehrs durch Straßenüberschwemmunen führen und negative Auswirkungen haben.
  • Die in vieler Hinsicht vorteilhafte Mobilitätsform des Fahrradverkehrs (Emissionsfreiheit, geringer Verkehrsraumbedarf, Gesundheitseffekt) ist stark witterungsabhängig. So ist ein positiver Einfluss der zukünftig wärmeren Winter auf den Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege zu erwarten. Mehr Starkregen und mehr Hitzetage dagegen wirken sich negativ auf den Radverkehr aus. Der Nettoeffekt des Klimawandels ist schwer abzuschätzen. Zu überlegen ist, wie die Wegequalität und –quantität für Radfahrerinnen und Radfahrer gesteigert werden kann.
  • Große Sensitivität des Straßenverkehrsbetriebs besteht gegenüber Eisbildung und Schneefall. Jedoch ist unter zukünftigem Klimawandel
  • nicht mit einer erhöhten Häufigkeit und Intensität solcher Wetterereignisse zu rechnen, sondern eher mit einer Abnahme. Dennoch werden extreme Schneefälle und Blitz-Eis-bildung auch in Zukunft (bis Ende des Jahrhunderts) überall in Hessen vorkommen, die bestehenden Vorkehrungen wie Schneeräumungs- kapazitäten, müssen weiter auf-rechterhalten werden.
  • Besonders in den verkehrsreichen Siedlungsgebieten in Hessen tragen häufigere heiße Tage mit erhöhter Sonnenscheindauer zu einer verstärkten Ozonproduktion bei. Soll das Niveau der gegenwärtigen Ozonsituation zukünftig nicht überschritten werden, muss berücksichtigt werden, dass der Klimawandel verstärkt Smog produzieren wird.

Ein weiterer Anstieg der Ozon-produktion kann dann nur durch verringerte Stickoxid (NOX)-Freisetzung vermieden werden. Dann muss – den zukünftigen Klimawandel und seine „Smog-Verstärkerfunktion“ berücksichtigend – die Konzentration der Stickoxide entsprechend verringert werden. Der Anteil des Straßenverkehrs an den NOX- Emissionen liegt im Sommer in Siedlungsgebieten oft bei über 80 Prozent. Im Wesentlichen wird also hier anzusetzen sein. Hier bestehen klare Synergien zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung, da beide Teilbereiche der Klimapolitik nach Alternativen zur fossil betriebenen Fahrzeugflotte verlangen.

Klimaanpassungsmaßnahmen Verkehr und Infrastrukturen

Sowohl der Verkehrsbetrieb als auch die Verkehrsinfrastruktur werden vom Klimawandel betroffen sein. Fahrzeug- ausfälle, wetterbedingte Unfälle und Schäden an der Verkehrsinfrastruktur werden vermehrt zu Verkehrsstörungen führen, unter anderem mit negativen Auswirkungen auf kritischen Verkehr wie Rettungsdienste. Verkehrsinformations- und Lenkungssysteme können die Folgen solcher Störungen wirksam verringern. Ein anderer Ansatzpunkt ist die Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur gegenüber den vermehrten Belastungen durch den Klimawandel. Beispielsweise müssen Fahrbahnbeläge an starke Temperaturschwankungen angepasst werden. Vermehrten Starkniederschlägen sollte durch geeignete Maßnahmen bei der Verkehrsflächengestaltung und durch bauliche Maßnahmen entgegengetreten werden. Beide Herangehensweisen ergänzen sich und haben das Potential, die Klimawandelfolgen auf den Verkehr wirksam zu begrenzen. Die beschriebenen Maßnahmen und Initiativen kann die Hessische Landesregierung für die seiner Baulast unterliegenden Verkehrswege selbstständig oder durch Information, Beratung und ggfs. Förderung von Kommunen und Landkreisen umsetzen.

Eine besondere Rolle kommt dem elektrischen öffentlichen Verkehr während Hitzeperioden zu. Da der fossil motorisierte Individualverkehr in diesen Phasen die Belastung der Bevölkerung wesentlich erhöht, soll die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs durch entsprechende Maßnahmen gewährleistet werden.

Prioritäre Maßnahmen – Umsetzungsbeginn bis 2019

Sicherung und Anpassung der Verkehrsinfrastruktur an Klimaereignisse

Die Verkehrsinfrastruktur kann vor Schäden durch Klimaereignisse geschützt werden. Dies wird bei Straßen durch die Anpassung der Fahrbahnen erreicht, um den Asphalt weniger hitzeempfindlich zu machen. Für den Bereich der Landesstraßen wird das Land hier als Baulastträger tätig, Kreise und Kommunen werden beraten.

Weitere Maßnahmen

Intensive Begrünung von Verkehrswegen zur besseren Bewältigung der Folgen des Klimawandels

Extreme Klimaereignisse wie Stark-niederschläge können zu einer Schädigung von Verkehrs- und Schienenwegen führen. Die Begrünung von Verkehrswegen im urbanen Raum sowie im Rahmen des Neu- und Ausbaus von Verkehrswegen soll zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaereignissen beitragen.

Hessenweite Gefährdungsanalysen für Verkehrsinfrastruktur gegenüber Klimaauswirkungen

Ziel ist, die Kenntnisse über die Gefährdung der Verkehrsinfrastruktur durch voraussichtliche Auswirkungen des Klimawandels (Starkregenereignis- se, Hitzeperioden, Sturmphänomene) zu verbessern. Auf die Analyse folgt die Ableitung von Maßnahmen, die die negativen Auswirkungen des Klima-wandels vermeiden bzw. mindern.

Verkehrsinformation und -lenkung für die Klimaanpassung nutzen

Klimawandelbedingt ist in Zukunft mit vermehrten Verkehrsstörungen durch wetterbedingte Unfälle, Schäden und Unterbrechungen der Verkehrsinfra-struktur zu rechnen. Die Anpassung von Verkehrslenkungsmaßnahmen wird genutzt, um Folgen für den Verkehrsfluss zu mindern.

Öffentlichen Verkehr bei Extremwetterlagen attraktiver machen

Während Hitzewellen ist die Aufrechterhaltung der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs von großer Bedeutung Busse, Bahnen und die Haltestelleninfrastruktur müssen gekühlt werden, möglichst auf energiesparende oder passive Art durch die Verschattung.

Serie "UMWELT SPEZIAL" zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Klaus Reinhardt

Klaus Reinhardt

Herausgeber u. Chefredakteur - Neu-Isenburger Extrablatt
Etablierte seit 2011 das "Neu-Isenburger Extrablatt" als Themenzeitung im Markt.
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